Antworten auf häufige Fragen

Kann auch ich Kyudo lernen?

Wahrscheinlich. Die zum Schießen benötigte Kraft lässt sich individuell mit der passenden Ausrüstung einstellen. Rechtshänder haben zwar einen kleinen Vorteil, da aber beide Körperseiten gleichermaßen fein abgestimmt arbeiten, können sich Linkshänder durchaus zurecht finden. Kyudo ist für Frauen und Männer jeden Alters geeignet (je früher desto besser), Jugendliche können ab 14 Jahren teilnehmen.

Ist Kyudo schwer zu erlernen?

Leicht ist es sicherlich nicht, aber wir haben es alle geschafft. Es dauert eben ein paar Jahre, bis man wirklich gut schießen kann. Der “Weg des Bogens” bedarf einer geduldigen und strebsamen Lebenseinstellung. Lernwille und stetiges Üben sind gute Voraussetzungen, um Fortschritte zu erzielen. Vor allem im Kyudo gilt: der Weg ist das Ziel. Das Ziel zu treffen “ohne den Willen es zu treffen”, das braucht seine Zeit.

Ist Kyudo anstrengend?

Kyudo ist tatsächlich anstrengender, als es aussieht. Die Bewegungen mögen für Zuschauer langsam und gemächlich wirken, dabei ist jedoch der gesamte Körper angespannt. Die meiste Kraft wird gar nicht aus den Armen, sondern aus Rücken, Becken und Beinen geschöpft. Aus diesem Grund ist Kyudo besonders dazu geeignet, die Körperhaltung zu schulen. Wer Kyudo übt, muss genug Kraft entwickeln, um den eigenen Körper und sein Gewicht zu beherrschen.

Was kann Kyudo in mir entwickeln?

Kyudo ist sehr ehrlich. Nur ihr selbst könnt auf euer Ergebnis einwirken. Insofern ist Kyudo eine eher introvertierte Übung: das Training schult gleichermaßen die Konzentration nach innen, wie auch die Achtsamkeit nach außen. Haltung, Bewegungskoordination und Körpergefühl werden gefördert. Als eine der ältesten japanischen Kampfkünste vermittelt Kyudo jedoch vor allem Disziplin, Höflichkeit und Respekt gegenüber allen Lebewesen, im Training wie auch im Alltag.

Ist Kyudo eine Form der Zen-Meditation?

Das werden wir oft gefragt. Einfache Antwort: Nein.
Historisch gesehen lässt sich die Idee von Kyudo als eine unmittelbar mit dem Zen-Buddhismus verwobene Kunst frühestens auf das Erscheinen eines Buches von Eugen Herrigel, Zen in der Kunst des Bogenschießens (1948), zurückverfolgen. Diese Darstellung wird in Japan jedoch sehr kritisch betrachtet. Herrigel kam für nur fünf Jahre als Philosophiedozent nach Japan und hegte bereits seit Langem eine an Besessenheit grenzende Faszination für den mystischen Zen-Buddhismus. Weil man ihm einen Aufenthalt im strengen Zen-Kloster nicht zutraute, bekam Herrigel die Empfehlung, zunächst einmal einer Tätigkeit mit ähnlich geistigen Akzenten nachzugehen. Auf diesem Weg kam er in die Obhut des Kyudolehrers Awa Kenzō, eines Meisterschützen, dem die Fähigkeit Hyappatsu hyakuchū (“Hundert Schuss, hundert Treffer”) nachgesagt wurde. Awa suchte zu dieser Zeit selbst nach einem höheren, mystischen Sinn hinter dem Bogenschießen, hob jedoch in keiner besonderen Weise Kyudo als Zen-Übung hervor. Die Esoterik Awas, verbunden mit Vorurteilen und mangelnder Sprachkenntnis Herrigels, haben dann einige hartnäckige Missverständnisse hervorgebracht.
Nun gibt es aber im gegenwärtigen Japan auch Ausdrücke wie Kyūdō wa ritsuzen (“Kyudo ist stehendes Zen”) und Kyūzen ichinyo (“Der Bogen und Zen sind eins”). Diese fanden erst nach dem Krieg Verbreitung und wurden zweifellos durch Herrigels Bestseller beeinflusst. Tatsächlich lässt sich in der tragenden Rolle von Ruhe, Konzentration und Reflektion eine gewisse Verwandschaft zwischen Kyudo und Elementen der Zen-Meditation feststellen. Wir möchten euch aber nachdrücklich auf die Zielsetzung von Kyudo als der “Weg des Bogens” hinweisen, nämlich die Reifung und Verbesserung des Menschen durch das lebenslange Streben und Bemühen, mit einem vollkommenen Schuss das Ziel zu treffen. Dies zu schaffen setzt Jahrzehnte intensiven Übens und der Auseinandersetzung mit den technischen Grundlagen des Schießens voraus. Leider haben in den letzten Jahrzehnten ein paar kleine wenn auch medienwirksame Gruppen ein Bild von Kyudo als eine rein spirituelle Übung verbreitet, in dem das Treffen der Zielscheibe als belanglos dargestellt wird. Das ist nicht Kyudo.
Ist Kyudo eine Form der Zen-Meditation? Differenzierte Antwort: Anfangs definitiv nicht—nach 50 Jahren… vielleicht.

Ist Kyudo gefährlich?

Heute hilft uns der Bogen, uns selbst zu erforschen und zu verbessern. Dennoch bleibt ein Bogen eine altertümliche Waffe: auch wenn die Pfeilspitzen stumpf sind, können bei fahrlässigem Umgang durchaus Menschen verletzt werden. Die Übungsleiter achten darauf, dass die Handhabung des Bogens exakt beherrscht wird, bevor sie das Schießen auf große Entfernung erlauben. Darüberhinaus ist es Anfängern strengstens verboten, außerhalb der Übungsräume einen Pfeil an die Sehne zu setzen. Auf Disziplin und Eigenverantwortung werden großen Wert gelegt.

Wie läuft eine Kyudo-Ausbildung ab?

Als Anfänger werdet ihr zunächst mit dem Gomu-yumi üben, einem von uns zur Verfügung gestellten Bogen-Simulationsgerät. Das ist im Wesentlichen ein Holzgriff mit einem an der Spitze befestigten Ziehgummi, zur Darstellung von Bogengriff, Pfeil und Sehne. Mit dem Gomu-yumi werden die grundlegenden Bewegungsabläufe, die Hassetsu, eingeübt.
Wenn nach einiger Zeit eine ausreichende Grundlage (Atmung, Rhythmus und Bewegungstechnik) geschaffen ist, dürft ihr zu Pfeil und Bogen übergehen. Zunächst schießt ihr auf kurze Distanz auf ein Strohbündel, das Makiwara.
Haben sich die Übungsleiter von euren gelernten Fähigkeiten überzeugt, werdet ihr zum Schießen auf 28 Meter weit entfernte Ziele, die Mato, ausgebildet. In der Regel geschieht dies bei regelmäßiger und aufmerksamer Teilnahme nach einem halben bis ganzen Jahr.

Ist Kyudo teuer? Welche Ausrüstung brauche ich?

Wir sagen gerne: Kyudo ist günstig, aber nicht billig.
Die einzelnen Gegenstände können der Qualität entsprechend teuer werden. Eine komplette neue Ausrüstung bestehend aus Bogen, Pfeilen, Kleidung und Zubehör kostet knapp 800 Euro. Um Kyudo üben zu können, ist diese Investition notwendig. Allerdings müsst ihr euch nicht alles sofort und auf einmal zulegen. Zu Beginn reichen langärmelige, neutralfarbene Trainingskleidung und warme Socken, alles Weitere wird von uns bereitgestellt.
Erst wenn die etwa halbjährige Einstiegsphase überwunden ist, stehen erste Anschaffungen an. Am kostspieligsten ist der individuell angepasste Schießhandschuh: hier müsst ihr rund 250 Euro einplanen. Euren persönlichen Bogen solltet ihr erst nach etwa ein bis zwei Jahren kaufen.

Wie hoch ist der Mitgliedsbeitrag?

Der Mitgliedsbeitrag liegt, monatlich gerechnet, bei 32 Euro (ermäßigt 18 Euro). Mehr Informationen zu diesem Thema sind auf der Seite Verein zusammengefasst.

Gibt es Graduierungen und Meisterschaften?

Als eine Gendai budō (moderne Kampfkunst) folgt auch Kyudo dem Graduierungssystem von Kyū– und Dan-Graden, die ihr sicher schon in Form von farbigen Gurten aus Karate, Aikido, oder Judo kennt. Im Kyudo wird allerdings auf solche äußerlich sichtbaren Merkmale verzichtet. Die Graduierung dient dazu, eure Fähigkeiten besser einzuordnen, und für eine gewisse Qualität in der Lehre zu sorgen.
Der Deutsche Kyudo Bund (DKyuB) und seine Landesverbände bieten Prüfungslehrgänge an, in denen Grade vom 5. bis 1. Kyu verliehen werden. Nach Erreichen des 1. Kyu ist es möglich, sich für internationale Prüfungen (1. bis 8. Dan) anzumelden.
Kyudo ist auch ein kompetitiver Bogensport: bereits ab dem 3. Kyu seid ihr zur Teilnahme an landes- und bundesweiten Meisterschaften berechtigt. Ihr dürft, müsst aber nicht.

Kyudo und Meisterschaften? Wie passt das zusammen?

Taikai, Kyudo-Meisterschaften, sind weniger vom Konkurrenzgedanken geprägt, als dass sie eine Möglichkeit zur geistigen Reifung bieten. Es geht nicht darum, die anderen Teilnehmer zu besiegen, sondern eure eigenen Fähigkeiten auf den Prüfstand zu stellen. Es herrscht nur der Stress und Erwartungsdruck, den ihr selbst mitbringt. Doch gerade diese Aufregung ist ein hervorragendes Mittel, um euer wahres Können zu offenbaren.
Im Allgemeinen sind Kyudo-Taikai eine sehr gesellige und lockere Angelegenheit. Zu “gewinnen” gibt es kein Geld, sondern oftmals Spezialitäten der Region, oder neue Ausrüstungsgegenstände.

Kann ich mir aussuchen, welchen Kyudo-Stil ich lerne?

Im Ginko Kyudojo unterrichten wir die Kyudo-Schule Heki-ryū Insai-ha, eine alte Kriegstechnik der Soldaten zu Fuß. In dieser Schule wird der Bogen im Shamen-Stil, diagonal versetzt, aufgespannt. Wir beherbergen zwar auch Schützen weiterer Schulrichtungen, doch es besteht derzeit noch keine Möglichkeit, diese von Grund auf zu erlernen.

Kyudo ist anstrengend, schwer und kostet Geld. Wieso tut ihr euch das an?

Weil es süchtig macht. Kyudo ist unglaublich facettenreich und macht einen Riesenspaß!